Ein Überraschungsei: Rapa Nui

Unser letztes Ziel in der Südsee und erstes Ziel in Chile war die wunderschöne Osterinsel, die abgelegenste bewohnte Insel der Welt und ein absolutes Highlight für uns.

Nachdem wir in Tahiti um drei Uhr nachts (!) in den Flieger gestiegen waren, kamen wir nach fünf Stunden Flug und fünf Stunden Zeitverschiebung leicht übermüdet aber aufgeregt am frühen Nachmittag auf der Osterinsel an, die politisch zu Chile, jedoch geographisch noch zu Polynesien gehört. Gleich am Flughafen empfing uns der Geruch von frischen Backwaren und das milde, nicht mehr tropische Klima – eine Wohltat nach der Schwitzerei der letzten Wochen. Hier kauften wir auch direkt Tickets für den Nationalpark Rapa Nui, wie die Osterinsel unter den Einheimischen heißt. Der Eintritt zum Unesco-Weltkulturerbe war zwar sehr sehr teuer, aber es würde sich lohnen… Da wir in mitgebrachten US-Dollar zahlen konnten, tat die Summe dann auch nicht mehr so weh. Ansonsten ist man hier aber komplett in Chile angekommen. Weit und breit spanische Aufschriften und Preise in Pesos. Unsere Unterkunft war ein sehr ordentliches AirBnB-Zimmer bei einer dreiköpfigen Familie in Hanga Roa, der einzigen Stadt der Insel, touristisch gut erschlossen mit hübscher Marina, zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants. Besonders großartig: Unsere Gastgeberin Carolina bereitete uns jeden Tag ein fabelhaftes, sättigendes Frühstück, das nach dem rationierten Mahlzeiten der letzten zwei Wochen eine echte Wucht war.

Eigentlich wollten wir die Insel mit dem Fahrrad erkunden – die nette Dame vom Verleih schlug uns dann jedoch eine recht günstige Hop-on-Hop-off-Tour vor, die wir mit den Schmerzen der letzten 50-Kilometer-langen Radtour im Hinterkopf dann dankend buchten. Was für ein Erlebnis! Morgens ging es mit Jurassic-Parc-Mobil (zumindest sah es so aus) von Hanga Roa aus los einmal um die Insel. Wir konnten zweimal aussteigen, die Highlights für uns entdecken, ein Stück der Strecke selbst zu Fuß erkunden und dann wieder in den Bus steigen, der stets mit polynesischen Klängen und mehr oder weniger verständlichen Erklärungen bespielt wurde. Die Insel überraschte uns bei aufgehender Sonne mit ihrer ganzen Schönheit: raue Natur, steile Küsten, sattes Grün und dann kamen sie in der Ferne… die spektakulären Steinfiguren! Die sogenannten Moai sind auf der ganzen Insel zu finden und in dieser Form einzigartig. Sie bilden kolossale Gesichter oder Körper ab, wahrscheinlich für zeremonielle Zwecke. In der schroffen Natur, aber auch entlang der lieblicheren Küsten entsteht so ein wunderschönes Bild. Südsee-Flair mit Traumstrand trifft raue Naturschönheit mit Vulkangebirgen. Wir waren jetzt schon wirklich stark beeindruckt von der Osterinsel. Eine der besten Entscheidungen unserer gesamten Reise!

Am nächsten Tag machten wir uns auf, den nahegelegenen Vulkan Ranu Kao zu besteigen, der immerhin 320 Meter hoch ist und einen beeindruckenden Kraterdurchmesser von 1,6 Kilometer aufweisen kann, in dem die letzten einheimischen Tiere und Pflanzen der Insel leben. Nachdem wir wieder in der Stadt angekommen waren, besuchten wir die Post, um einen Osterinsel-Stempel im Reisepass zu bekommen. Abends gönnten wir uns dann auch mal was und gingen nach langer Zeit in einem Restaurant essen. Wow, war das lecker: wir hatten ein Lenden- bzw. Thunfisch-Steak, beides unglaublich saftig, auf Zwiebeln und Pommes mit zwei Spiegeleiern on top. Nachdem wir den Sonnenuntergang genossen hatten, gönnten wir uns noch zwei Cocktails. Ja, so lässt es sich hier leben.

Mehr als die Steinköpfe haben uns fast – aber nur fast – die hier allgegenwärtigen, frei herumlaufenden Hunde beeindruckt. Sie sind alle sehr gepflegt und wohlernährt, haben wohl auch ein Zuhause, dürfen aber überall herumtoben. Gleich am ersten Abend wurden wir von den Nachbarhunden begrüßt. Der Jüngere war etwas stürmischer und war so begeistert uns zu sehen, dass er immer wieder an uns hoch springen wollte. Seine etwas ältere Partnerin zügelte ihn aber. Um dem ADHS-Kollegen und uns zu demonstrieren, wie sich ein echter Osterinsel-Hund zu verhalten hat, zeigte sie uns ihre Stadt und trottete sicherlich eine halbe Stunde mit uns in den Stadtkern. In den nächsten beiden Tagen wurden wir, aber auch andere Touristen, immer wieder ein Stück des Weges von Hunden begleitet; immer brav und ruhig, ohne aufdringlich zu sein. Nur dass wir den Weg alleine finden würden, trauten die Hunde uns nicht zu. Als wir den Vulkan bestiegen, wurden wir zeitweilig von einem sich spontan gebildeten Rudel adoptiert. Zwei Hunde begleiteten uns sogar bis zum Gipfel und einer sorgte auch wieder dafür, dass wir unser zu Hause wiederfanden. Als wir am letzten Abend den Sonnenuntergang bewunderten, kamen auch etliche Hunde an und wollten gekrauelt werden. Es ist immer wieder toll zu sehen, wie dankbar Hunde sind. Zu blöd, dass wir keinen mitnehmen durften.

Um so schwerer viel uns dann der Abschied am nächsten Tag. Carolina schenkte uns zwei Muschelketten, damit wir nie diese schöne Insel vergessen. Werden wir so oder so nicht! Aber der nächste Halt wartete schon: Santiago de Chile!

Eure Lisa und Euer Jens

2 Antworten auf „Ein Überraschungsei: Rapa Nui“

  1. Ohhhh klingt das traumhaft!!!😍 Einer eurer schönsten Berichte, finde ich!!!😊 Danke fürs teilen! So schön Eure glücklichen Gesichter zu sehen! Und die Hunde 😍😍😍 wünsche Euch eine unvergessliche Zeit in Chile!!!! Beso

  2. Welch schöner Bericht und diese wundervollen Bilder😊
    Ich freue mich immer mit euch, wenn ich eure Zeilen lese 🎒☀️👫
    Habt eine tolle Zeit in Südamerika, passt auf euch auf❤️

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