Den Sternen nah in der Atacama

Von der belebten herbstlichen Hauptstadt Chiles ging es weiter in die Wüste: San Pedro de Atacama.

Uns hieß eine mittelalterlich anmutende Stadt willkommen, die zu viele Spaghetti-Western gesehen hat: Überall gibt es Lehmbauten, staubige Straßen und verwinkelte Gässchen. Die Oase mitten in der Atacamawüste ist von dem atemberaubenden Panorama der Anden umgeben. Es ist wirklich sehr, sehr schön hier. In der 2450 Meter hoch gelegenen Stadt organisierten wir auch direkt ein paar Touren in die Wüste und unseren anschließenden Dreitagestrip nach Bolivien. Wir merken zwar die Höhe, aber bisher hält es sich in Grenzen und wir waren erstaunlich fleißig am Planen.

Am ersten Tag waren wir sogar in einem Meteoriten-Museum, was überraschend beeindruckend war. Zwei Freunde haben hier mit Herz und Seele 30 Jahre lang den Steinen hinterhergejagt, um sie lehrreich und unterhaltsam Interessierten näherzubringen. Diese Leidenschaft war deutlich zu spüren.

Unser erster Ausflug sollte eigentlich in die nahegelegene Valle de la Luna gehen, einer Wüstenlandschaft mit Mondcharakter. Aufgrund zu viel Windes wurde die Tour leider kurzfristig abgesagt, da der Nationalpark bei dem Wetter niemanden reinlässt. Aber zum Glück sehen wir bei allem immer eine positive Seite und suchten uns als ordentliche Optimisten eine hervorragende Alternative: den drei Kilometer entfernten Berg Pukara de Quitor, zu dem wir bei kräftigem Gegenwind und strahlendem Sonnenschein eine hübsche kleine Wanderung unternahmen. Die indianische Festungsanlage mit archäologischen Ruinen führt auf einen Hügel, von dem man einen tollen Rundumblick auf die Oase San Pedro, die weite Wüste und die überragenden Anden hat.

Anschließend gab es noch ein kleines Highlight: Wir nahmen an einer Sternensafari teil. Mit dem Bus fuhren wir abends 20 Minuten aus der Stadt heraus und standen nun unter dem imposanten Sternenhimmel, für den die Atacama berühmt ist. Nicht ohne Grund hat hier die Europäische Südsternwarte das größte Teleskop der Welt gebaut. Die Tour war sehr gut durchdacht: Ein Guide hat uns die südlichen Sternbilder erklärt, aber auch die Sichtweise der alten Inka über die Sterne erläutert. Danach durften wir durch große Teleskope schauen und verschiedene Sterncluster und Doppelsterne beobachten. Highlight waren die Planeten Jupiter und Saturn. Sogar etliche Sternschnuppen schossen über den Himmel. Damit uns bei den fünf Grad Celsius nicht zu kalt wurde, gab es auch heiße Getränke. Um halb elf ging es dann auch schon wieder zurück und ein toller Tag ging zu Ende.

Am nächsten Tag wurden wir früh morgens vor unserem Hostal abgeholt, um einen Tagesausflug in die Atacamawüste zu unternehmen. Bei eisigen Temperaturen machten wir uns gemeinsam mit einer Gruppe von 14 Leuten und unserem Guide im Kleinbus auf. Unsere erste Station war die Salar de Atacama, der größte Salzsee Chiles. Die flache Ebene ist ringsum von massiven Gebirgen umgeben und besteht aus einer kargen Salzkruste und spiegelglatten Tümpeln, in denen Flamingos ihr zu Hause haben. Wohlgemerkt war es hier in der Vornacht minus elf Grad und auch tagsüber wird’s jetzt im Herbst nicht wirklich warm. Die eleganten Tiere stehen dann also den ganzen Tag im kalten Nass und stochern tanzend nach Krebsen. Und wir Touris durften sie in dieser prachtvollen Kulisse beobachten und aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.

Um uns zu stärken, gab es im nächstgelegenen Ort Socaire, der schon 3500 Meter über dem Meeresspiegel liegt (zum Vergleich: San Pedro liegt bei 2450 m. ü. d. M.., Hamburg bei 6 m. ü. d. M.), zunächst ein ordentliches Frühstück. Die Stärkung brauchten wir auch, da es jetzt noch höher hinauf ging auf bis zu 4200 Meter. Aber: von Höhenkrankheit keine Spur! Zum Glück, denn man hört und liest hier immer wieder Warnungen, dass Untrainierte und gerade Fischköppe wie wir leicht mit dem abnehmenden Luftdruck und Sauerstoffmangel oben in den Bergen zu kämpfen haben und schnell Kopfschmerzen, Übelkeit und co. auftreten. Bis auf leichtes Ausderpustesein nach einigen Metern schnellen Schrittes kamen wir aber wunderbar klar. Wahrscheinlich haben auch die surrealen Landschaften mit den zauberhaften Laguen und Vulkangesteinen hier oben geholfen, körperliche Beschwerden direkt auszublenden und den traumhaften Anblick einfach nur zu genießen. Herzklopfen kriegt man nämlich auch davon. Auch der eisige Wind – bis zu fünf Schichten Oberbekleidung, Mütze, Schal und Handschuhe waren da schon nötig – hat die Ansicht nicht getrübt. Einfach. Nur. Atemberaubend.

Nun geht es noch höher hinauf und gleichzeitig nach Bolivien mit dem Ziel Salar de Uyuni. Drei Tage durch Berge und Wüste – wir bleiben sowas von gespannt!

Euer Jens und Eure Lisa

3 Replies to “Den Sternen nah in der Atacama”

  1. Was für ein Bericht! Ich bin wieder sehr begeistert von Euren Beschreibungen und den phantastischen Bildern. Ich dachte, nach dem tollen blog aus Polynesien gäbe es keine Steigerung mehr, aber hier habt Ihr mich wieder überrascht. Atemberaubend! Ich wünsche Euch weiterhin grosses Vergnügen. Eure Lydia

  2. Sooooo grosssrtig!!!! Ein Highlight nach dem anderen! 😍 Ihr erlebt so tolle Dinge und es ist eine große Freude all Eure Eindrücke und Erlebnisse mitverfolgen zu dürfen! Riesiges Dankeschön!!! Tolle Tage in der Wüste und freue mich auf weitere Berichte und Euch bald ENDLICH wieder zu sehen!!! 😉 Genießt den letzten Monat aber noch in vollen Zügen!

  3. Ihr beiden Lieben,
    vor einigen Tagen habe ich Eure Ansichtskarte aus San Pedro de Atacama erhalten. Ich habe mich riesig gefreut über diese Überraschung. Ich musste gleich Lydia anrufen, um ihr das mitzuteilen. Vielen, vielen Dank. Geniesst die noch verbleibende Reisezeit und noch recht viel Vergnügen dabei. Es macht mir große Freude, Eure so großartigen Berichte und Fotos zu sehen und zu lesen. Herzliche Grüße!

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